Archiv für April 2008

Namensbedeutung – „Schadwinkel”

April 21, 2008

Wie bei den meisten Familiennamen mit der Endung “-winkel” ist das die ursprüngliche Bezeichnung für einen Herkunfts-, Flur- oder Wohnstättennamen. Dieser bezieht sich dabei auf das mittelhoch- und mittelniederdeutsche Wort – „Winkel“ = in der Bedeutung -Ecke, Biegung oder Krümmung, versteckt gelegene Stelle, abseits gelegener Ort bzw. Wohnplatz, verborgener Raum, entlegene oder schwer erreichbare Gegend. Außerdem kann „-winkel“ auf etwas unbestimmtes, das mit den Begriffen: klein, eng, irgendwo, weit weg - bezeichnet werden. Eine weitere Erklärung zu “Winkel“ = in einer von Bergen oder Wäldern eingeschlossenen Flur oder auch Wohnstätte, in einem Zusammenfluss von Quellbächen. Ein „Winkel„  ist  ein „spitzes Ende”,  ein Flur- oder  Grundstück. Geographisch  bezeichnet es das Zusammenstoßen von zwei Flußläufen, ähnlich wie Ort oder von zwei Tälern.  Der „Winkel“ kann auch auf ein entlegenes Seitental, sowie eine von Bergen oder Hügeln eingeschlossene Talgegend hindeuten. Das Grundwort „Winkel“ bezieht sich auf die natürlichen Winkel in der Landschaft, in denen sich Quellmulden bildeten, die in der Frühzeit die Möglichkeiten zu Anlage menschlicher Siedlungen boten. 

Die erste Namensform „Schadevinkel” (1289) wird mit einem Gut¹, also einem Orts- bzw. Wohnstättennamen bei Königsberg in Preußen in Verbindung gebracht.  Damit stammt der alte ostpreußische Familienname „Schadwinkel”  mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit ursprünglich auch von einem Orts- bzw. Wohnstättennamen, wie hier, von einem Gut ab.

Die Namensform „Schäde” ist mundartlich „Scheede”  und wird wohl der an drei Seiten von der Grenze umschlossene Ort als „Scheide” =  als Grenze zu erklären sein. Die Form „Schädewinkel”  bedeutet soviel wie „Scheidewinkel” oder an einer Grenze gelegener Winkel.

Andere Namensbedeutungen:

Schatten: (älter Schatte)  (8. Jh.),  mittelhochdeutsch: schate(we), althochdeutsch: scato,  mittelniederdeutsch: schade(we), schaduwesc(h)ade - Stammwort. Aus (gemein-) germanisch: *skaTwa- “Schatten“.  Schad(e)winkel  =  Schattenwinkel ?

Alle bisherigen bekannten Namensformen und Varianten des Namen „Schadwinkel“ (Jahreszahl der ersten Schreibweise):

Schadevinkel (1289), Schadwynckel (1357), Schadewynkel (1399), Schadewinckel (1409), Schadwynkel (1471), Schadenwinkel (1558), Sadwinkel (1565), Szalwink (1624), Szadwinkell (1664), Szadwinkiel (1682), Schadenwinckel (1692), Schadwinckel (1746), Schädewinkel (1747), Schadewinkel (1790).


 ¹ Ein Gut oder auch Gutshof ist ein größeres landwirtschaftliches Anwesen, als herrschaftlicher Besitz auch Gut oder Domäne genannt, oder ein Bauerngut (Bauernhof). Früher bezeichnete ein Gut Vermögen oder Besitz daraus entwickelte sich die Bezeichnung Gut für ein großes landwirtschaftliches Anwesen. Die Güter, welche Ritter für verdienstvolle Tätigkeiten gegenüber ihrem König erhielten, wurden auch Rittergut oder Adliges Gut genannt.

Der Ursprung des Familiennamen „Schadwinkel“

April 11, 2008

 

 

Der Name „Schadwinkellässt sich erstmals als Notiz in den preußischen Urkundenbüchern[1] feststellen. Darin wird erwähnt, dass: „Auch Güter in Lauthen (Lauth), Graselauke und Schadevinkel (bei Lauth ?) gingen dem Domkapitel[2] durch den Comthur von Königsberg Berthold von Brühaven (zwischen 1289 und 1302) verloren“.[3]

 

Seit dem 13. Jh. kann man den Familiennamen auch in der Stadt Königsberg (Preußen) nachweisen. In dem Buch „Die Ratslisten der drei Städte Königsberg im Mittelalter[4] von Christian Krollmann, wird dort ein Ratsherr[5] Pawel (Paul) Schadewinkel in Königsberg Altstadt im Jahre 1428 erwähnt. Außerdem steht dort noch vermerkt, dass er 1409 als Student in Leipzig immatrikuliert[6] wurde. Im selben Jahr war auch die Gründung der Universität Leipzig[7], so dass er einer der ersten Studenten war. In den preußischen Regesten[8] von 1436 wird er außerdem als Vogt[9] mit erwähnt: Verzeichnis der Ordensherren und Ehrbaren[10] aus dem Gebiete des Obersten Marschalls, die (den ewigen Frieden) beschworen haben. 9. Altstadt Königsberg: Bartholt Huxer Bürgermeister und Herm. Aldendhof sein Kompan. Michel Matthis Kirchenvater. Pawel Schadewinkel Vogt.[11] Es wird noch ein Gregor Schadewinkel genannt, der 1463 Schöffe[12] wird (vermutlich der Sohn von Pawel).

 

In einem von Karel Castelin veröffentlichten Buch – „Die Böhmische Scheidemünze aus vorhussitischer Zeit[13] kommt darin ebenfalls schon 1300-1471 ein Wenczlaw (Václav) Schadwynkel in Bohemia (Böhmen) vor.

 


[1] Als Urkundenbuch bezeichnet man in der Geschichtswissenschaft eine gedruckte Sammlung von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Urkunden aus einem inhaltlichen, geographischen oder sachlichen Zusammenhang.

 

[2] Das Domkapitel (von lateinisch: capitulum) – seltener auch in Abgrenzung zu Stiftskapitel Kathedralkapitel genannt – ist das leitende Gremium an einer katholischen Bischofkirche. Es besteht aus dazu erwählten Geistlichen. Ist die Bischofskirche Sitz eines Erzbischofs, also Metropoliten, so wird das Domkapitel auch als Metropolitankapitel bezeichnet.

 

[3] Nach der Notiz in der Urkunde von 1322, cod. dipl. Pruss. II. n. 99, p. 126 – Seiten 138 und 139 – Zeit der Ordensherrschaft.     Aus Historisch-comparative Geographie von Preussen: Nach den Quellen, namentlich auch archivalischen von Max Töppen. Veröffentlichungsdatum: 1858 – 398 Seiten. Nachzulesen auch im Internet bei Google-Books.

 

[4] Altpreußische Geschlechterkunde (APG) – Erschienen 1983 im Selbstverlag des Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e.V. in Hamburg (VfFOW). Sonderschrift Nr. 52, 88 Seiten. Mit einem Geleitwort von Walther Hubatsch.

 

[5] Ein Ratsherr ist ein (männliches) Mitglied der Gesellschaft einer Kommune, einer städtischen Gemeinde, der von seinen Mitbürgern in den Rat oder Stadtrat, das Parlament einer Kommune, gewählt wurde. Die Ratsherren entstammten häufig reichen Kaufmannsfamilien, die besonders in den alten Handelsstädten die Patrizier bzw. ratsfähigen Geschlechter ausmachten. Ratsherr = Consul [lateinisch] geschworener Bürger, Ratsfreund, Ratsgenosse, Ratskumpane, Ratsmann, Ratsmeister, Ratsverwandter, Senator.

 

[6] Die Einschreibung oder Immatrikulation an einer Hochschule ist ein Verwaltungsvorgang, bei dem eine Person als Student an der Hochschule aufgenommen und damit Mitglied dieser Hochschule wird. Die Immatrikulation erfolgt beim Studentensekretariat oder Immatrikulationsamt einer Hochschule, der Student wird dann in der Universitätsmatrikel geführt.

 

[7] Die Universität Leipzig (Alma mater lipsiensis) ist die zweitälteste Universität auf dem Gebiet des heutigen Deutschland nach der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg und wurde im Jahre 1409 gegründet. Nach Streitigkeiten an der Karls-Universität Prag zogen 1409 viele der dortigen deutschen Lehrkräfte und Studenten nach Leipzig (in der Markgrafschaft Meißen), wo die Artistenfakultät den Lehrbetrieb aufnahm. Die Universität bekam sowohl von der Stadt als auch von den Landesherren mehrere Gebäude übereignet. Noch im selben Jahr wurde das „Studium generale“ durch Papst Alexander V. bestätigt.

 

[8] Als Regest (lateinisch: res gestae = „die getanen Dinge“) bezeichnet man in der Geschichtswissenschaft die Zusammenfassung des rechtsrelevanten Inhalts einer mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Urkunde. Unter Regesten kann man auch eine besondere Publikationsform verstehen, die Urkunden eines Ausstellers, einer Provenienz oder eines Betreffs geordnet nach Datum nachweisen und mit inhaltlichen Zusammenfassungen, Nachweisen über die Überlieferung und quellenkritischen Hinweisen ergänzen.

 

[9] Der althochdeutsche Begriff Vogt, auch Voigt oder Fauth – lateinisch: advocatus, der Hinzu- Herbeigerufener, bezeichnet allgemein einen herrschaftlichen, meist adligen Beamten des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Ein Vogt ist Leiter von Verwaltung und Gericht eines größeren (Reichsguts-)Bezirkes.

 

[10] Die Ehrbarkeit ist eine bestimmte Gesellschaftsschicht. Aus den ursprünglichen Pfahlbürgern der mittelalterlichen Städte hatte sich im 15. Jahrhundert die Ehrbarkeit (auch Patrizier genannt) als städtische Oberschicht gebildet. Die Ehrbarkeit bestand aus den reichsten Geschlechtern, den Mitgliedern des Stadtrates.

 

[11] Preußisches Urkundenbuch, JH I 7266 – (1436) ohne Datum. o.O. – Regesten aus: (JH) Erich Joachim, Bearbeitet, Regesta Historico-Diplomatica Ordinis S. Mariae Theutonicorum, 1198-1525, herausgegeben von Walther Hubatsch, Pars I, Bände 1-3, Registerband zu I-II, Göttingen 1948-1973.

 

[12] Ein Schöffe (von althochdeutsch: sceffino, der Anordnende) waren in der Vergangenheit allgemein solche Personen, die juristische Festlegungen trafen, wie etwa der „Schöffenstuhl“ (= Rechtsinstanz) im alten Stadtrecht.

 

[13] Herausgegeben 1953 von Karel Castelin auf Tschechisch: Česká drobná mince doby předhusitské a husitské, (1300-1471) – Seite 73. Verlag Praha, Naklad Československé akademie věd. (291 Seiten).

Absolute Verteilung des Namen „Schadwinkel“

April 11, 2008

 Absolute Verteilung des Namens 'Schadwinkel'

Statistik: Zahlen zum Familiennamen „Schadwinkel“

In Deutschland gibt es 201 Telefonbucheinträge zum Familiennamen Schadwinkel“. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung sind etwa 536 Namensträger zu erwarten. Damit liegt der Familienname in der Namenshäufigkeit an 18730. Stelle.

Diese leben in 91 Städten und Landkreisen. Die meisten Anschlüsse sind in Rendsburg-Eckernförde (SH) gemeldet, nämlich 12. Etwas länger suchen muss man dagegen im Hochsauerlandkreis (NRW), hier wohnen die wenigsten: gerade einmal 1.

Weitere Kreise/Städte mit besonders vielen Namensträgern sind Köln (16), Region Hannover (16), Oldenburg (14), Märkischer Kreis (14), Mönchengladbach (12), Gütersloh (10), Rhein-Neckar-Kreis (10), Bremen (10) sowie Mainz mit 10 Einträgen.

Günter Schadwinkel kommt in Deutschland am häufigsten vor. Manfred sowie Gerhard sind die nächsten oft gefundenen Vornamen, gefolgt von Heinz, Alfred, Günther, Wolfgang, Thomas, Horst sowie Edeltraut.

Absolute Namenshäufigkeit für SchadwinkelDie meisten Schadwinkels findet man im Landkreis Rendsburg-Eckernförde (SH), nämlich genau 12 Telefonanschlüsse. Etwas länger suchen muss man dagegen im Hochsauerlandkreis (NRW), hier wohnen die wenigsten: gerade einmal 1. (Beachten Sie, dass Metropolen diese Lokalisierung verfälschen können).

Relative Namenshäufigkeit fürSchadwinkel“ - Wenn man die Bevölkerungsdichte verrechnet, findet man die meisten Schadwinkels in der Kreisfreien Stadt Wismar (MV), nämlich 86 Anschlüsse pro Million Einwohner. Fast verschwunden ist die Familie aus der Kreisfreien Stadt Berlin, hier treten pro Million Einwohner die wenigsten auf. 

Die Verbreitung des Familiennamens „Schadwinkel“ in anderen Ländern: