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Der Vierbrüderkrug

17. Januar 2011

Ein beliebter Ausflugsort der Königsberger war besonders an den Wochenenden der Vierbrüderkrug, ein im Wald gelegenes Gasthaus, dass etwa um 1720-1730 errichtet worden ist. Dieses war von Königsberg aus zu Fuß zu erreichen, wenn man an der Endstation der Linie 7 in Juditten ausgestiegen war. Am Ende der Caporner Heide bei Moditten lagen der zur Gemeinde gehörende Wurzelkrug und das Kanthäuschen. Hier pflegte der große Philosoph Immanuel Kant Jahr für Jahr seine Sommerfrische zu verleben.
Ein Stück weiter liegt Metgethen mit seinem großen Wald. Beim eifrigen Pflücken der vielen Blau- und Preiselbeeren konnte es geschehen, daß die aus Königsberg kommenden Ausflügler unversehens in Vierbrüderkrug landeten. Hier lag diesseits der Landstraße das alte, vielen Königsbergern liebgewordene „Gesellschaftshaus Vierbrüderkrug“ mit seinem großen Bier,- Kaffeegarten, altem Baumbestand und behaglichen Innenräumen.
Seine Besitzerin, Berta Heidecke empfahl seinen Gästen dieses Lokal folgendermaßen: „Hier in der ozonreichen Waldluft findet jeder Wanderer die gewünschte Erholung. Küche und Keller bieten das Beste. Spezialität: Landschinken und Landbrot von besonderer Güte. Saubere Zimmer, billige Pensionspreise, Autogaragen, eigener Parkplatz“.
Gegenüber von diesem Lokal fand man sich sogleich auf historischem Boden. Davon zeugte die Vierbrüdersäule mit folgender Inschrift:

Zwölfhundertfünfundneunzig – die Chronik nennt dies Jahr -
Zur Zeit als Ordens-Meister Meinhard von Querfurt war;
Da ruhten hier im Haine vier Waffenbrüder aus,
Von Sudau’ n siegreich kehrend zurück, nach blut’ gem Strauß.
Da war der wackre Dyvet, der rüst’ ge Kobenzell
Und Stobemehl und Röder, ein muthiger Gesell.
Die Treue, die dem Orden sie hatten angelobt,
War schon in Gau`n voll Aufstand’ s im Kampfe oft erprobt.
Sie saßen froh beim Mahle ,nah’ Conovedt’ s Schloß,
Da stürzte aus dem Dickicht hervor des Feindes Troß,
Mit Schwert und Spieß und Keule streckt’ nieder er die Vier,
Und zum Gedenk der Todten steht diese Säule hier.

Die Vierbrüdersäule und der Vierbrüderkrug bildeten den Kern des Ortes, der aus dem Kurhaus Ohlendorf, einem Cafe und einer Gärtnerei bestand. Auch einige Wohnhäuser kamen noch dazu. Früher gehörte dieser Ort zu Caporn, später zu Großheidekrug.

Fritz Schadwinkel¹ ist 1920 der Besitzer des Vierbrüderkrug im Kreis Fischhausen.  Er hat das Grundstück im Juni 1919 vom Kaufmann Leo Rehaag zu Königsberg erworben. Es ist verpachtet an die frühere Krankenschwester Klara Till. (Reg.Kbg.P.IV.215). Im Adressbuch² des Kreises Fischhausen 1922/1923 wird Fritz Schadwinkel als Händler im Vierbrüderkrug angegeben.

 


¹ Die Kartei Quassowski – QMS 1
² Adressbuch Kreis Fischhausen 1922/1923

Familiennamenverteilung „Schadwinkel” auf Basis des Reichstelefonbuch von 1942

15. November 2008

Auf der Internetseite von Genevolu  kann man sich die absolute und relative Familiennamenverteilung auf Basis des Reichstelefonbuch von 1942 erstellen lassen.

Genevolu-Karte: absolute Verteilung des Familiennamen Schadwinkelnach Ortschaften

fnv-rtb-1942-schadwinkel-absolut

Für den Familiennamen Schadwinkel finden sich insgesamt 12 Einträge im Reichstelefonbuch von 1942. Die eingetragenen Orte mit den häufigsten Telefonanschlüssen sind:

(2x) Berlin
(1x) Angerburg (Ostpreußen)
(1x) Elbing (Westpreußen)

Genevolu-Karte: relative Verteilung des Familiennamen Schadwinkelnach Ortschaften

fnv-rtb-1942-schadwinkel-relativ

Für den Familiennamen Schadwinkel finden sich insgesamt 12 Einträge im Reichstelefonbuch von 1942. Die eingetragenen Orte mit den häufigsten Telefonanschlüssen sind:

(4.1666 %) Großheidekrug (Ostpreußen)
(3.8461 %) Powunden (Ostpreußen)
(1.7543 %) Rudau (Ostpreußen)

Namensbedeutung – „Schadwinkel”

21. April 2008

Wie bei den meisten Familiennamen mit der Endung “-winkel” ist das die ursprüngliche Bezeichnung für einen Herkunfts-, Flur- oder Wohnstättennamen. Dieser bezieht sich dabei auf das mittelhoch- und mittelniederdeutsche Wort – “Winkel” = in der Bedeutung -Ecke, Biegung oder Krümmung, versteckt gelegene Stelle, abseits gelegener Ort bzw. Wohnplatz, verborgener Raum, entlegene oder schwer erreichbare Gegend. Außerdem kann “-winkel” auf etwas unbestimmtes, das mit den Begriffen: klein, eng, irgendwo, weit weg – bezeichnet werden. Eine weitere Erklärung zu “Winkel” = in einer von Bergen oder Wäldern eingeschlossenen Flur oder auch Wohnstätte, in einem Zusammenfluss von Quellbächen. Ein “Winkel”  ist  ein „spitzes Ende”,  ein Flur- oder  Grundstück. Geographisch  bezeichnet es das Zusammenstoßen von zwei Flußläufen, ähnlich wie Ort oder von zwei Tälern.  Der “Winkel” kann auch auf ein entlegenes Seitental, sowie eine von Bergen oder Hügeln eingeschlossene Talgegend hindeuten. Das Grundwort “Winkel” bezieht sich auf die natürlichen Winkel in der Landschaft, in denen sich Quellmulden bildeten, die in der Frühzeit die Möglichkeiten zu Anlage menschlicher Siedlungen boten. 

Die erste Namensform „Schadevinkel” (1289) wird mit einem Gut¹, also einem Orts- bzw. Wohnstättennamen bei Königsberg in Preußen in Verbindung gebracht.  Damit stammt der alte ostpreußische Familienname „Schadwinkel”  mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit ursprünglich auch von einem Orts- bzw. Wohnstättennamen, wie hier, von einem Gut ab.

Die Namensform „Schäde” ist mundartlich „Scheede”  und wird wohl der an drei Seiten von der Grenze umschlossene Ort als „Scheide” =  als Grenze zu erklären sein. Die Form „Schädewinkel”  bedeutet soviel wie „Scheidewinkel” oder an einer Grenze gelegener Winkel.

Andere Namensbedeutungen:

Schatten: (älter Schatte)  (8. Jh.),  mittelhochdeutsch: schate(we), althochdeutsch: scato,  mittelniederdeutsch: schade(we), schaduwesc(h)ade – Stammwort. Aus (gemein-) germanisch: *skaTwa- “Schatten”.  Schad(e)winkel  =  Schattenwinkel ?

Alle bisherigen bekannten Namensformen und Varianten des Namen “Schadwinkel” (Jahreszahl der ersten Schreibweise):

Schadevinkel (1289), Schadwynckel (1357), Schadewynkel (1399), Schadewinckel (1409), Schadwynkel (1471), Schadenwinkel (1558), Sadwinkel (1565), Szalwink (1624), Szadwinkell (1664), Szadwinkiel (1682), Schadenwinckel (1692), Schadwinckel (1746), Schädewinkel (1747), Schadewinkel (1790).


 ¹ Ein Gut oder auch Gutshof ist ein größeres landwirtschaftliches Anwesen, als herrschaftlicher Besitz auch Gut oder Domäne genannt, oder ein Bauerngut (Bauernhof). Früher bezeichnete ein Gut Vermögen oder Besitz daraus entwickelte sich die Bezeichnung Gut für ein großes landwirtschaftliches Anwesen. Die Güter, welche Ritter für verdienstvolle Tätigkeiten gegenüber ihrem König erhielten, wurden auch Rittergut oder Adliges Gut genannt.


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