Der Vierbrüderkrug

17. Januar 2011

Ein beliebter Ausflugsort der Königsberger war besonders an den Wochenenden der Vierbrüderkrug, ein im Wald gelegenes Gasthaus, dass etwa um 1720-1730 errichtet worden ist. Dieses war von Königsberg aus zu Fuß zu erreichen, wenn man an der Endstation der Linie 7 in Juditten ausgestiegen war. Am Ende der Caporner Heide bei Moditten lagen der zur Gemeinde gehörende Wurzelkrug und das Kanthäuschen. Hier pflegte der große Philosoph Immanuel Kant Jahr für Jahr seine Sommerfrische zu verleben.
Ein Stück weiter liegt Metgethen mit seinem großen Wald. Beim eifrigen Pflücken der vielen Blau- und Preiselbeeren konnte es geschehen, daß die aus Königsberg kommenden Ausflügler unversehens in Vierbrüderkrug landeten. Hier lag diesseits der Landstraße das alte, vielen Königsbergern liebgewordene „Gesellschaftshaus Vierbrüderkrug“ mit seinem großen Bier,- Kaffeegarten, altem Baumbestand und behaglichen Innenräumen.
Seine Besitzerin, Berta Heidecke empfahl seinen Gästen dieses Lokal folgendermaßen: „Hier in der ozonreichen Waldluft findet jeder Wanderer die gewünschte Erholung. Küche und Keller bieten das Beste. Spezialität: Landschinken und Landbrot von besonderer Güte. Saubere Zimmer, billige Pensionspreise, Autogaragen, eigener Parkplatz“.
Gegenüber von diesem Lokal fand man sich sogleich auf historischem Boden. Davon zeugte die Vierbrüdersäule mit folgender Inschrift:

Zwölfhundertfünfundneunzig – die Chronik nennt dies Jahr –
Zur Zeit als Ordens-Meister Meinhard von Querfurt war;
Da ruhten hier im Haine vier Waffenbrüder aus,
Von Sudau’ n siegreich kehrend zurück, nach blut’ gem Strauß.
Da war der wackre Dyvet, der rüst’ ge Kobenzell
Und Stobemehl und Röder, ein muthiger Gesell.
Die Treue, die dem Orden sie hatten angelobt,
War schon in Gau`n voll Aufstand’ s im Kampfe oft erprobt.
Sie saßen froh beim Mahle ,nah’ Conovedt’ s Schloß,
Da stürzte aus dem Dickicht hervor des Feindes Troß,
Mit Schwert und Spieß und Keule streckt’ nieder er die Vier,
Und zum Gedenk der Todten steht diese Säule hier.

Die Vierbrüdersäule und der Vierbrüderkrug bildeten den Kern des Ortes, der aus dem Kurhaus Ohlendorf, einem Cafe und einer Gärtnerei bestand. Auch einige Wohnhäuser kamen noch dazu. Früher gehörte dieser Ort zu Caporn, später zu Großheidekrug.

Fritz Schadwinkel¹ ist 1920 der Besitzer des Vierbrüderkrug im Kreis Fischhausen.  Er hat das Grundstück im Juni 1919 vom Kaufmann Leo Rehaag zu Königsberg erworben. Es ist verpachtet an die frühere Krankenschwester Klara Till. (Reg.Kbg.P.IV.215). Im Adressbuch² des Kreises Fischhausen 1922/1923 wird Fritz Schadwinkel als Händler im Vierbrüderkrug angegeben.

 


¹ Die Kartei Quassowski – QMS 1
² Adressbuch Kreis Fischhausen 1922/1923

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Das Dorf und die Mühle Lauth

26. März 2010

Lauth war ein Stadtteil von Königsberg in Preußen. Es gab das Dorf und die Mühle Lauth. Sie heißen heute auf russisch: Isakovo und Malo Isakovo. Im Jahre 1263 war die Bezeichnung Lawte, Lawete und Lauwete, 1303 quarundam villarum in Lauthen, 1379 bei der Mühle Lavtin und ab 1448 Lauth. Die Herkunft des Namens Lauth  (Lawet) stammt wohl von einer altpreußischen Flurbezeichnung und bezieht sich auf unsauberes Wasser. Das Dorf lag am Fluss Lauthen.

Fuhr man von Königsberg durch das Sackheimer Tor nach Osten in Richtung Arnau, so erreichte man Lauth, ein Dorf, in dem früher überwiegend Landwirtschaft betrieben wurde. Blättern wir in alten Chroniken, wird Lauth schon sehr früh, bald nach der Gründung Königsbergs, erwähnt. Bereits 1299 verlieh der Komtur von Königsberg, Berthold von Brühaven, den Bürgern der Stadt Wiesen in dem großen Pregelwerder, dazu noch Wiesen bei dem Dorf Lauth als Gemeindewiese von der Brücke hinab bis zur Stadtfreiheit.
Der Propst Bruder Johannes und das Domkapitel vom Samland verliehen Tylo von Stauten Land am Lauther Mühlenfließ zur Anlage einer Mühle. Lauth gehörte zum Samland und unterstand dem Bischof Siegfried vom Samland.
1344 setzte Papst Klemens VI. Jakob vom Samland als Bischof ein, der vorher dort Propst war und den Einwohnern von Lapsau ein bei der Mühle Lauth gelegenes Land als Weide für ihr Vieh verliehen hatte.
Die Mühle Lauth hatte eine wechselvolle Geschichte, 1460 befahl der Hochmeister von Erlichshausen dem Komtur zu Ragnit, mit Feuerschiffen bei der Mühle Lauth zu ihm zu stoßen, um Wehlau anzugreifen. 1525 hielt Herzog Albrecht bei der Mühle Lauth ein blutiges Strafgericht über die aufständischen Bauern. Der Winter 1554 war so kalt, dass in der Umgebung alle Teiche zufroren, so dass fast alle Mühlen still standen. So mussten Korn und Malz zur Mühle Lauth gefahren werden.
Von der zweiten Gemahlin Albrechts I., der Herzogin Anna Maria, wurde die Mühle 1566 an die „Los- und Kuchenbäcker“ der drei Städte Königsbergs verliehen.
Später kam noch eine Sägemühle hinzu, die im Jahre 1583 vom Markgrafen Georg Friedrich ebenfalls an Königsberg verliehen wurde. Voraussetzung war die Einstellung eines tüchtigen Müllers, der mit beiden Mühlen umgehen konnte. Die Königsberger Bäcker hatten aber dafür sehr viel zu liefern. Weit über ein Jahrhundert wurde die Lauther Mühle von den Königsberger Bäckern genutzt, bis sie sich 1617 über die hohen Abgaben in einer Eingabe beklagten.
In einem Erlaß von 1667 werden die Bürgermeister und Räte der drei Städte Königsbergs aufgefordert, die Bäcker zur Zahlung eines rückständigen Pachtzinses in Höhe von 1576 Mark aufzufordern. Die Bäcker kamen der Aufforderung nur zögernd nach und hatten auch zwei Jahre später die Schuld noch nicht beglichen.
Wurden sämtliche Mühlen des Ritterordens noch mit Wasserkraft betrieben, so erfolgte später, zur herzoglichen Zeit, der Bau von Windmühlen. Alle Mühlen waren seit Ordenszeiten ein einträgliches landesherrliches Hoheitsrecht, auf das erst nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges 1806/07 verzichtet wurde. So kamen die Mühlen zur Versteigerung gegen Höchstgebot.
Die Mühle Lauth wurde von Friedrich Wilhelm Lehmann für 33 300 Reichstaler ersteigert. Noch viele Besitzer hatte die Lauther Mühle, als letzter wird Kurt Käswurm genannt, der sie 1894 in Besitz nahm.
Im Jahre 1874, so lesen wir weiter, wurde im Landkreis Königsberg ein Amtsbezirk Liep gebildet, der aus den drei Gemeinden bzw. Gutsbezirken Lauth, Lapsau und Liep bestand. 1883 kam als vierter Bezirk noch Palmburg hinzu.
Aus der Besitzung Lapsau wurde 1897 ein neuer Gutsbezirk mit 284,5212 ha Land gebildet. Auch der Nordzipfel des Lauther Mühlenteiches kam mit 7,9050 ha zu Lapsau.
Im Jahre 1903 wurde aus dem Amtsbezirk Quednau die Landgemeinde Cummerau teilweise in die Landgemeinde Lauth eingegliedert.
Nachdem der Gutsbezirk Liep 1927 teilweise in den Stadtkreis Königsberg (Pr.) eingemeindet wurde, gab es einen Zusammenschluss der Landgemeinde Lauth (teilweise), der Gutsbezirke Lapsau, (teilweise), Liep (Rest) und Palmburg zur neuen Landgemeinde Palmburg. Der Amtsbezirk Liep wurde in Lauth umbenannt.
Nach mehreren Eingliederungen von Teilen der einzelnen Bezirke in andere Landgemeinden umfasste der Amtsbezirk Lauth die Landgemeinden Lauth und Palmburg.
Eine Brücke über beide Pregelarme bei Palmburg wurde 1937 als letzte Brücke Königsbergs vollendet. Am 1. April 1939 erfolgte die Eingemeindung von Lauth in den Stadtkreis Königsberg (Pr.) und die Gemeinde Palmburg kam zum Amtsbezirk Arnau. Der Amtsbezirk Lauth war damit aufgelöst.
Das Dorf Lauth hatte nach 1939 – 1827 Einwohner, die in den Ortsteilen Abbau Lauth, Bauernsiedlung, Dorf Lauth, Landarbeitereigenheime, Gärtnersiedlung und Siedlung wohnten. Nach Osten wurde das Dorf vom Mühlenteich abgegrenzt, an dessen Südspitze das Gut Lapsau lag. Nahe dem Mühlenteich lag auch das Fort Stein, das zum Festungsgürtel der Stadt gehörte. 


Carl Schulz, Die Mühle Lauth im Wandel der Zeiten. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte von Ost- und Westpreußen (VGOW) 7, 1932/33, S. 15-23.

Die Dampfmühle Schadwinkel in Preußisch Eylau

7. Februar 2009

Die Mühle Schadwinkel in Preußisch Eylau reicht mit ihrer Entstehung weit in die Zeit des Deutschen Ritterordens zurück, davon zeugten nicht nur die über 1 m dicken Steinfundamente der am  Pasmar-Fluß gelegenen Wassermühle, sondern auch Nachrichten aus alten Ordensakten. Sie wird wohl bald nach der Gründung der Burg 1326 in Schutz dieser Feste etwas unterhalb am Pasmar als Wassermühle entstanden sein und diente anfangs zur Versorgung der Burgbesatzung und später auch der sich im Schutze der Burg ansiedelnden Bürger der „Lischke Ilaw”. Von Anfang an war es eine Ordensmühle, die dem Hause Preußisch Eylau gehörte; so wird 1437 über sie gesagt: „Hält der Komtur”. Sie gehörte – wie die Burg – zur Komturei Balga und war eine Wassermühle mit „drei Rädern”, also Mahlgängen. Im Jahre 1600 hatte diese Mahlmühle (zum Unterschied der neben ihr bestehenden Walk-, Loh- und Schneidemühle) drei Gänge und klagte über wenig Wasser. Der Müller erhielt „die 5. Metze” als Lohn, also den fünften Teil des als Mahllohn einbehaltenen Getreides. Im ganzen Jahr 1600 betrug der Mahllohn 768 Scheffel Getreide, auch wurden 12 Schweine gemästet. Schon damals muß diese Mühle recht bedeutend gewesen sein; später ist sie dann in Privatbesitz übergegangen.
Im Jahre 1807 zur Zeit der Schlacht bei Preußisch Eylau gehörte die Mühle einer Familie Mey, die unter den Drangsalen der Franzosen zu leiden hatte und in die Stadt flüchtete. Diese Familie Mey blieb bis 1843 Besitzer der Mühle.
Um das Jahr 1828 zog der Müllermeister Schadwinkel nach Preußisch Eylau, der vorher von der staatlichen Domänenverwaltung die Mühle Lauth bei Königsberg gepachtet hatte. Er ließ sich am Markt 13 nieder in dem Hause des Mälzenbräuers Reimer, wo bald der Sohn Schadwinkel die einzige Tochter Henriette Reimer heiratete. Aus dieser Ehe gingen zwei Kinder hervor, Wilhelm (1830) und  Johanna (1834). Dem jungen Schadwinkel hat wohl das Gastwirts- und Mälzenbräuergewerbe nicht recht gefallen, denn er war gelernter Müller, und als der Müller Mey seine Mühle 1843 ausbot, kaufte Schadwinkel die alte Ordensmühle und wurde wieder Müller. Sein Sohn Wilhelm Schadwinkel erlernte nach der Schulzeit 1845 ebenfalls das Müllerhandwerk und besuchte nach seiner Wanderzeit die Mühlenbauanstalt Holzminden, die er als Meister verließ. Nach dem Tode seines Vaters übernahm er die Wassermühle Preußisch Eylau; er war mit Amalie Böttcher aus Liebenau bei Uderwangen verheiratet und aus der Ehe entstammten die Kinder Robert, Helene und Kurt.
Müllermeister Wilhelm Schadwinkel ging gleich mit Tatkraft ans Werk. Er stockte die Mühle und das Wohnhaus auf und verbesserte die Mühleneinrichtung. Es wurde eine Getreidereinigung eingebaut, ferner Walzenstühle und neue Sichtmaschinen angeschafft. Auch errichtete er am Mühlengebäude einen Anbau mit einem Dampfkessel, da die Wasserkraft allein schon nicht mehr die gesamte Mühleneinrichtung schaffte. Schon damals wurde elektrischer Strom für die ganze Mühle erzeugt.
Der Sohn Robert Schadwinkel hatte ebenfalls das Müllerhandwerk erlernt und die Müllerschule/Mühlenbauanstalt Holzminden besucht. Er kehrte auch als Meister zurück und übernahm 1892 die Mühle Preußisch Eylau von seinem Vater, der schon vorher wegen der großen Mehlnachfrage neben der alten Wassermühle eine Holländer-Windmühle und eine Bockwindmühle erbaut hatte. Auf der Holländermühle wurden neben Brotmehl auch Grütze und Graupen hergestellt und auf beiden Windmühlen noch Futterschrote für den ländlichen Umtausch gemahlen.
Robert Schadwinkel heiratete 1893 Helene Nicolai aus Königsberg; aus dieser Ehe gingen zwei Söhne Fritz (1894) und Erwin hervor. Er war ein tüchtiger Müllermeister, der den Betrieb so vergrößerte, daß außer der Bäckereikundschaft in Preußisch Eylau und der Landkundschaft der näheren und weiteren Umgebung der Mehlverkauf über Preußisch Eylau hinaus ausgedehnt werden konnte. Bis zum Jahre 1900 hatten sich aber die Ansprüche der Bäckerkundschaft an die Güte des Mehles   —  besonders des Weizenmehles  —  ständig erhöht, auch war der Absatz noch gestiegen. Es konnte nun nicht mehr Roggen und Weizen auf einer Mühle vermahlen werden, sondern wegen der Verschiedenheit des Vermahlungsvorganges beider Getreidesorten und ihrer Mehlqualitäten mußten diese auf getrennten Mühlen verarbeitet werden. Da entschloß sich Robert Schadwinkel im Jahre 1900 eine neue Weizenmühle zu bauen, und beauftragte damit die Firma Seck in Dresden. Es wurde ein automatischer Dampfbetrieb, bei dem das Getreide aus dem Silo über eine Wasch- und Trockenanlage und weitere Reinigung in die Mühle kam und nach Passieren der Mahl- und Sichtvorgänge — sichten ist sieben — als Mehl in einen Behälter fiel und mit einer automatischen Abfüllvorrichtung gleich in Säcke zu 100 kg abgepackt wurde.
Diese Mühle verarbeitete 30 Tonnen Weizen in 24 Stunden und hatte einen Vorratssilo von acht Zellen mit einem Gesamtinhalt von 340 t Weizen. Sie stellte alle Sorten Auszugs- und Bäckermehl sowie Grieß und Kleie her. Der frühere Anbau an der Wassermühle wurde zu einem Maschinenhaus umgebaut mit einem Zweiflammrohr-Kessel mit Überhitzer für eine Dampfmaschine von  210 PS Leistung. Geheizt wurde mit Steinkohle, die waggonweise aus dem oberschlesischen Revier bezogen wurde. Ferner richtete Robert Schadwinkel noch eine elektrische Lichtanlage mit einer 60-Zellen-Akkumulator-Batterie im Maschinenhaus ein, die sämtliche Gebäude des Mühlengrundstückes mit Licht versorgte. Die alte Wassermühle blieb Roggenmühle.
Dieser sehr moderne Betrieb war nun gerade ein Jahr gelaufen, da passierte im Sommer 1901 in einer Gewitternacht das schwere Unglück, daß die neue Mühle bis auf die Grundmauern völlig niederbrannte. Die Brandursache ist damals und auch später nie geklärt worden. Das war nun für Robert Schadwinkel ein sehr schwerer Schlag, aber er ging sofort an den Wiederaufbau, der von der bewährten Mühlenbaufirma Seck-Dresden so schnell wie möglich vorgenommen wurde. Die Mehllieferungen durften aber in der Zwischenzeit nicht stocken und so wurde denn das Weizenmehl wieder auf den Windmühlen, das Roggenmehl auf der Wassermühle gemahlen und die Belieferung der Kundschaft so gut wie möglich aufrecht erhalten.
Als die Mühle wieder voll in Betrieb war, wurde auch noch bei den Bäckereien in der Provinz Weizen- und Roggenmehl angeboten und auch gut abgesetzt. Das Geschäft florierte gut und so liefen die Jahre bis 1914 im Mühlenbetrieb und in der Landwirtschaft in gleichmäßiger Arbeit dahin. Zur Mühle gehörte ja auch noch eine große Landwirtschaft, die aus 90 ha Ackerland, 9 ha Wald und ca. 30 ha Wasser – dem Langen See bei Preußisch Eylau und dem Mühlenteich bei der Mühle bestand. Hiervon gehörten 79,75 ha zur Stadt Preußisch Eylau und 48,25 ha  zur Gemeinde Schmoditten.
Der Beginn des I. Weltkrieges brachte dem Mühlenbetrieb einen großen Rückschlag, denn es wurden etliche Betriebsangehörige sowie Pferde und Wagen eingezogen. Der Betrieb lief weiter, so gut er konnte, und überstand auch gut die kurze russische Besetzung von Preußisch Eylau Ende August 1914. Mit ein paar älteren Müllern und Kriegsgefangenen konnte die Mühle notdürftig bis Kriegsende weiterarbeiten. Aber auch danach war eine schwere Zeit, denn die steigende Inflation zerrüttete das ganze Wirtschaftsleben und die Abschneidung Ostpreußens vom Reich durch den „polnischen Korridor” verteuerte die Frachtkosten. Doch die Mühle überstand auch diese Schwierigkeiten und konnte nach der Inflation ihren Absatz wieder steigern und ausbauen.
Seit 1921 leitete Fritz Schadwinkel den Betrieb, der auch das Müllerhandwerk erlernt, auf der Mühle Kalgen die praktische und bei der Handwerkskammer Königsberg die theoretische Meisterprüfung bestanden hatte. Er war seit 1923 mit Marie Engelke aus Wahnebergen bei Verden/Aller verheiratet, die er im Kriege in einem Lazarett kennenlernte, wo sie als Kriegsschwester tätig war. Zwei Söhne Günther (1925) und Kurt (1927) stammen aus dieser Ehe.
Fritz Schadwinkel leitete den Betrieb selbständig, wurde aber erst 1941 nach dem Tode des Vaters Besitzer. Er nahm 1926 die letzte Modernisierung der alten Wassermühle vor, nachdem schon nach dem Kriege die beiden Windmühlen abgebrochen wurden. Die Firma „MIAG” aus Braunschweig baute statt des alten oberschlächtigen Wasserrades eine Turbine ein, die mit der Dampfmaschine zusammenarbeiten konnte. Die Wassermühle bekam zum Roggenvermahlen Antriebe für vier Mahlsteine, zwei größere Walzenstühle und zwei Detacheure. Ein Teil der Sichtmaschinen wurde durch zwei große zweiteilige Plansichter mit rotierenden Bürsten ersetzt. Diese Roggenmühle konnte jetzt etwa 20 t Roggen in 24 Stunden vermahlen.
Nach diesen letzten Umbauten lief der Betrieb ziemlich störungsfrei bis zum Spätsommer 1939. Er hatte eine ständige Belegschaft von 10 Personen (ohne Landwirtschaft), und zwar 2 Kontorkräfte, 4 Müller, 1 Heizer/Maschinist und 3 Mehlausfahrer. Dazu kamen noch je ein Reisender für Königsberg und die Provinz.
Mit Beginn des II. Weltkrieges wurde die Mühle ein wehrwirtschaftlicher Betrieb und hatte die Aufgabe, in einem bestimmten Rahmen die Mehlversorgung Ostpreußens mit zu übernehmen. Der Betrieb konnte mit älterem Personal und Kriegsgefangenen trotz aller kriegsbedingten Schwierigkeiten im geforderten Umfange aufrecht erhalten werden. Ende Januar 1945 schlugen schon die Granaten in der Nähe der Mühle ein und Bomben barsten rings herum. Am 31.1.1945 wurde die Mühle stillgelegt, die Turbine zur Stromerzeugung zwecks Licht auf Dynamo umgestellt und das Mehl an viele Familien verteilt. In der Nacht vom 2. zum 3.2.1945 verließ ein Treck von vier Wagen mit allen Belegschaftsmitgliedern und Gefangenen die Mühle und ging auf die Flucht. Das war das Ende der Mühle Preußisch Eylau nach mehr als 600 Jahren Bestehen und gut 100 Jahren Familienbesitz. Sie wurde zusammen mit dem Wohnhaus ein paar Tage später restlos vernichtet. Die Flucht mit den Treckwagen ging über das Haff bis Neutief, dort blieb alles zurück. Getrennt auf zwei Schiffen gelangte die Familie dann bis Swinemünde und von dort nach Wahnebergen bei Verden,  wo dann schließlich alle wieder vereint waren.

Die alte Ordensmühle von Preußisch Eylau

Die alte Ordensmühle von Preußisch Eylau

Preußisch Eylau: Die alte Ordensmühle der Stadt ging 1843 in den Besitz der Familie Schadwinkel über. Müllermeister Robert Schadwinkel baute 1900 neben der alten Wassermühle eine neue, moderne Dampfmühle auf. Diese brannte im Sommer 1901 vollständig nieder, wurde aber sofort neu aufgebaut. Letzter Besitzer Fritz Schadwinkel, der neben 30 ha Wasser noch 99 ha Land besaß. 

Die Dampfmühle von Preußisch Eylau

Dampfmühle von Preußisch Eylau

Preußisch Eylau: Die Dampfmühle von Robert Schadwinkel hatte um 1900 zur Ergänzung der Wassermühle noch zwei Windmühlen in Betrieb.  Die vordere Bock-Windmühle ruht auf einem Gestell (Bock) und wird darauf ganz in den Wind gedreht. Bei der hinteren Holländer-Windmühle wird nur der Kopf mit den Flügeln in den Wind gedreht.

Der Stadtplan von Preußisch Eylau mit der Mühle Schadwinkel

Der Stadtplan von Preußisch Eylau mit der Mühle Schadwinkel

Kaufcontract Grünhoffscher Amtskrug zu Rudau

28. Januar 2009

Kund und zu Wißen sey hiermit denen daran gelegen, daß nachdem Sr. [Seiner] Königlichen Majestaet per Rescripta [amtlicher Bescheid] vom 24ten Nowbr [November] 1746 und 16ten Martii [März] 1747 allergnädigst befohlen, die Amts Krüge und Schmiede an die Meißtbietende Particuliers [Privatmann] erb und eigenthümlich zu verkaufen, und diesen Rescriptis [Verfügungen] zu Folge die nöthige Cammer Ordres an die Beamten ergangen, der Amt Mann Zuassowsky auch die Grünhoffsche Amts Krüge und Schmiede zum Verkauf gehörig publiciret, die Documenta publicationis ad acta [zu den Akten] gebracht, und in ultimo Termino dem Müller Friedrich Schadewinckel der Grünhöfsche Amts Krug zu Rudau als Plus Licitandi [Meistbietenden, Höchstbietenden] Inhalts Protocolli vom 22ten Febr. und dem abgestatteten Bericht von 10ten Martii cur [deshalb] erstanden,  auch per decretum Camera vom 25ten April cur die Adjudikation [Zuerkennung] ertheilet worden von der Königlich Preußischen Krieges und Domainen-Cammera nachfolgender Kauf-Contract  bis auf  Sr. [Seiner] Königlichen Majestaet allergnädigste Abbrobation [Genehmigung, Billigung] und Confirmation [Bestätigung, Bekräftigung] geschloßen worden.  Solchemnach wird:

1)  Von der Königlichen Preußischen Krieges und Domainen Cammer der Grünhöffschen Amts Krug zu Rudau dem plus Licitanti und Käufer Fridrich Schadewinckel hiemit dergestalt erb und eigenthümlich übergeben, daß er und seine Erben besagten Krug dergestall wie selbigen die bisherigen Besitzern inne gehabt, nach bestem Wißen und Gefallen nutzen auch mit Vorwißen des Amts an andere veralieniren [verkaufen, veräußern, verpachten] könne.

2)  Werden dem Käufer Friedrich Schadewinckel alle bey diesem Grünhöffschen Amts-Krug zu Rudau bis hierher genützte Landungen, Wiesen, Gebäude, Zäune, Gärten, Triften [Weg für das Weidevieh] Inventarien-Stücke und übrige Pertinentien [Zugehörigkeiten] gleichfalls erb und eigenthümlich zugeschlagen, als:

Zwantzig Morgen an Saeland und Palwe [Urland, Heideland]. Die Gebäude, Pertinentien [Zugehörigkeiten] und Inventarien-Stücke besage dem hinter annectierten Inventario.
Ein Gёcköch Garthen [Küchen-, Gemüsegarten] von 7 Ruthen lang und 4 breitt die  freye Höckarey [frei verkaufen, handeln] so wie sie von dem vorigen Krüger bey diesem Kruge exercirt worden.

3)  Vor diesen Grünhöffschen Amts Krug zu Rudau und dazu gehörige vorbenandte Pertinentien bezahlet der Käufer sogleich bey Tradition des Kruges den offerierten Kauf Schilling mit 70 Tlr. schreibe Siebentzig Thaler baar an den Beamten zur Einsendung an die hiesige Königliche Land-Kantzley.

4)  Verbindet sich der Käufer alles dasjenige zugeben und zu thun was bishere von diesem Kruge und denen dazu gehörigen Pertinentien gegeben und gethan worden als:

    6 Taler 60 Gr. [Groschen] an Krug Arrende [Krugpacht]
    2 Taler 60 Gr. [Groschen] an Kopf und Horn Schoß als ein Fixum.

5)  Übernimmt der Käufer überall kein anderes als Amts Bier und Brandtwein beydes auch nicht in höherem Preise als selbiges in der dem Amte Grünhoff am nächsten belegene Stadt Königsberg verkaufet wird in diesen Kruge zu schenken solches nicht zu verfälschen auch zu allen Zeiten und beständig Amts Bier und Brandtwein vorräthig zuhalten damit sowohl Reisende als andere Gäste jederzeit damit versorget werden können, wie dann auch der Käufer sich verbindtlich machet, richtige Maaße denen Leuthen zu geben und allermöglichsten Fleiß anzuwenden die Gäste guth zu bewirthen den Krug in mehrere Aufnahme zu bringen, und den Debit [Vertrieb, Absatz] des Amts Bieres und Brandtweins, so viel nur immer möglich, in diesem Kruge zu vermehren auch sämtliche Krug-Gebäude in einem so guten Stande zu unterhalten daß die Reisende und andere Gäste wegen Baufälligkeit oder Unwirtlichkeit derer Krug Gebäud er nicht Gelegenheit nehmen könne an diesen Krug vorbey zu reisen und zu meiden.

6)  Sollte aber Käufer betroffen werden, daß kein Bier oder Brandtwein im Kruge vorräthig, ist er 2 Taler Strafe zu erlegen schuldig und wenn er gar selbst gebrautes oder fremdes Bier und Brandtwein in diesem Kruge zu verschenken sich gelüsten ließe, ist er das erste Mahl in 5 Taler, das 2 te Mahl in 10 Taler Strafe das dritte Mahl aber in 30 Taler Strafe zu verfallen und soll überdem bey der dritten Contravention [Zuwiderhandlung] der Krug licitiret [versteigert] und ein weitiger Käufer der diesen Contrakt überall nachzuleben annimmt zugeschlagen werden.

7)  Was an diesem Kruge und dem dazu gehörigen Pertinentien [Zugehörigkeiten] zu reparieren nöthig, solches verrichtet der Käufer so wohl auf seinen eigenen Kosten, als er auch gehalten ist wenn der Krug und die dazu gehörigen Gebäuden entweder Alters halber oder oder wegen erlittenen Brandes gantz neu erbauet werden müßen solches aus einen eigenen Mitteln zu bewerkstelligen jedoch wird ihm in beiden Fällen dazu das nöthige Bau Holtz unentgeltlich abgefolget.

8)  Wird dem Käufer dasjenige Bauholtz und Strauch, welches bisher aus den Königlichen Forsten auf diesen Krug zu Rudau, Inhalt General-Pachts-Contracts accordiret [bereitgestellt, zuerkannt] werden als:

1 Achtel weich Brenn Holtz, 12 Fuder Sprock [brüchiges Weidenholz] auch ferner angewiesen und unentgeltlich abgefolget werden.

9)  Dem Käufer wird die Eviction [Rechtsspruch] wegen dieses Kruges praestiret, [für etwas haften] und soll er bey diesem Kauf Contract so lange an seiner Seits solchem gehörig nachlebet, überall geschützet, auch darüber Sr. Königlichen Majestaet allergnädigste Confirmation [Bestätigung, Bekräftigung] eingehohlet werden.

10)  Zur Urkund dessen ist dieser Kauf Contract in duple [doppelt] ausgefertiget und soll diesen ein Exemplar in der Grünhöffschen Amts Registratur assentiret [zustimmen] und dieser Contract in das Grünhöffsche weiße Amts Hauß Buch eingetragen das andere Exemplar aber dem Käufer und nunmehrigem Eigenthümer, zu seiner Sicherheit und nach richtlicher Aichtung ? eingehändiget werden, zu welchem Ende dieser Contract sowohl von der Königlichen Krieges und Domainen Cammer als von dem Käufer unterschrieben und untersiegelt  Sogeschehen.

     Koenigsberg d. 6 ten Novembr 1747.

                                           (L.S)

Königliche Preußische Kriegs und Domainen Cammer.

                                       Unterschriften:

Kornmann            v. Reck            Cupner             Staffelstein

Hintzcke        Wegnern       Zilcher    Krusemarck     v. Arnim

 

                                                        Friedrich Schadewinckel

                                                                 als Käufer
                                                                    (L.S)

Familiennamenverteilung „Schadwinkel” auf Basis des Reichstelefonbuch von 1942

15. November 2008

Auf der Internetseite von Genevolu  kann man sich die absolute und relative Familiennamenverteilung auf Basis des Reichstelefonbuch von 1942 erstellen lassen.

GenevoluKarte: absolute Verteilung des Familiennamen Schadwinkelnach Ortschaften

fnv-rtb-1942-schadwinkel-absolut

Für den Familiennamen Schadwinkel finden sich insgesamt 12 Einträge im Reichstelefonbuch von 1942. Die eingetragenen Orte mit den häufigsten Telefonanschlüssen sind:

(2x) Berlin
(1x) Angerburg (Ostpreußen)
(1x) Elbing (Westpreußen)

GenevoluKarte: relative Verteilung des Familiennamen Schadwinkelnach Ortschaften

fnv-rtb-1942-schadwinkel-relativ

Für den Familiennamen Schadwinkel finden sich insgesamt 12 Einträge im Reichstelefonbuch von 1942. Die eingetragenen Orte mit den häufigsten Telefonanschlüssen sind:

(4.1666 %) Großheidekrug (Ostpreußen)
(3.8461 %) Powunden (Ostpreußen)
(1.7543 %) Rudau (Ostpreußen)

Namensbedeutung – „Schadwinkel”

21. April 2008

Wie bei den meisten Familiennamen mit der Endung “-winkel” ist das die ursprüngliche Bezeichnung für einen Herkunfts-, Flur- oder Wohnstättennamen. Dieser bezieht sich dabei auf das mittelhoch- und mittelniederdeutsche Wort – „Winkel“ = in der Bedeutung -Ecke, Biegung oder Krümmung, versteckt gelegene Stelle, abseits gelegener Ort bzw. Wohnplatz, verborgener Raum, entlegene oder schwer erreichbare Gegend. Außerdem kann „-winkel“ auf etwas unbestimmtes, das mit den Begriffen: klein, eng, irgendwo, weit weg – bezeichnet werden. Eine weitere Erklärung zu “Winkel“ = in einer von Bergen oder Wäldern eingeschlossenen Flur oder auch Wohnstätte, in einem Zusammenfluss von Quellbächen. Ein „Winkel“  ist  ein „spitzes Ende”,  ein Flur- oder  Grundstück. Geographisch  bezeichnet es das Zusammenstoßen von zwei Flußläufen, ähnlich wie Ort oder von zwei Tälern.  Der „Winkel“ kann auch auf ein entlegenes Seitental, sowie eine von Bergen oder Hügeln eingeschlossene Talgegend hindeuten. Das Grundwort „Winkel“ bezieht sich auf die natürlichen Winkel in der Landschaft, in denen sich Quellmulden bildeten, die in der Frühzeit die Möglichkeiten zu Anlage menschlicher Siedlungen boten. 

Die erste Namensform „Schadevinkel” (1289) wird mit einem Gut¹, also einem Orts- bzw. Wohnstättennamen bei Königsberg in Preußen in Verbindung gebracht.  Damit stammt der alte ostpreußische Familienname „Schadwinkel”  mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit ursprünglich auch von einem Orts- bzw. Wohnstättennamen, wie hier, von einem Gut ab.

Die Namensform „Schäde” ist mundartlich „Scheede”  und wird wohl der an drei Seiten von der Grenze umschlossene Ort als „Scheide” =  als Grenze zu erklären sein. Die Form „Schädewinkel”  bedeutet soviel wie „Scheidewinkel” oder an einer Grenze gelegener Winkel.

Andere Namensbedeutungen:

Schatten: (älter Schatte)  (8. Jh.),  mittelhochdeutsch: schate(we), althochdeutsch: scato,  mittelniederdeutsch: schade(we), schaduwesc(h)ade – Stammwort. Aus (gemein-) germanisch: *skaTwa– „Schatten“.  Schad(e)winkel  =  Schattenwinkel ?

Alle bisherigen bekannten Namensformen und Varianten des Namen „Schadwinkel“ (Jahreszahl der ersten Schreibweise):

Schadevinkel (1289), Schadwynckel (1357), Schadewynkel (1399), Schadewinckel (1409), Schadwynkel (1471), Schadenwinkel (1558), Sadwinkel (1565), Szalwink (1624), Szadwinkell (1664), Szadwinkiel (1682), Schadenwinckel (1692), Schadwinckel (1746), Schädewinkel (1747), Schadewinkel (1790).


 ¹ Ein Gut oder auch Gutshof ist ein größeres landwirtschaftliches Anwesen, als herrschaftlicher Besitz auch Gut oder Domäne genannt, oder ein Bauerngut (Bauernhof). Früher bezeichnete ein Gut Vermögen oder Besitz daraus entwickelte sich die Bezeichnung Gut für ein großes landwirtschaftliches Anwesen. Die Güter, welche Ritter für verdienstvolle Tätigkeiten gegenüber ihrem König erhielten, wurden auch Rittergut oder Adliges Gut genannt.

Der Ursprung des Familiennamen „Schadwinkel“

11. April 2008

 

 

Der Name „Schadwinkellässt sich erstmals als Notiz in den preußischen Urkundenbüchern[1] feststellen. Darin wird erwähnt, dass: „Auch Güter in Lauthen (Lauth), Graselauke und Schadevinkel (bei Lauth ?) gingen dem Domkapitel[2] durch den Comthur von Königsberg Berthold von Brühaven (zwischen 1289 und 1302) verloren“.[3]

 

Seit dem 13. Jh. kann man den Familiennamen auch in der Stadt Königsberg (Preußen) nachweisen. In dem Buch „Die Ratslisten der drei Städte Königsberg im Mittelalter[4] von Christian Krollmann, wird dort ein Ratsherr[5] Pawel (Paul) Schadewinkel in Königsberg Altstadt im Jahre 1428 erwähnt. Außerdem steht dort noch vermerkt, dass er 1409 als Student in Leipzig immatrikuliert[6] wurde. Im selben Jahr war auch die Gründung der Universität Leipzig[7], so dass er einer der ersten Studenten war. In den preußischen Regesten[8] von 1436 wird er außerdem als Vogt[9] mit erwähnt: Verzeichnis der Ordensherren und Ehrbaren[10] aus dem Gebiete des Obersten Marschalls, die (den ewigen Frieden) beschworen haben. 9. Altstadt Königsberg: Bartholt Huxer Bürgermeister und Herm. Aldendhof sein Kompan. Michel Matthis Kirchenvater. Pawel Schadewinkel Vogt.[11] Es wird noch ein Gregor Schadewinkel genannt, der 1463 Schöffe[12] wird (vermutlich der Sohn von Pawel).

 

In einem von Karel Castelin veröffentlichten Buch – „Die Böhmische Scheidemünze aus vorhussitischer Zeit[13] kommt darin ebenfalls schon 1300-1471 ein Wenczlaw (Václav) Schadwynkel in Bohemia (Böhmen) vor.

 


[1] Als Urkundenbuch bezeichnet man in der Geschichtswissenschaft eine gedruckte Sammlung von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Urkunden aus einem inhaltlichen, geographischen oder sachlichen Zusammenhang.

 

[2] Das Domkapitel (von lateinisch: capitulum) – seltener auch in Abgrenzung zu Stiftskapitel Kathedralkapitel genannt – ist das leitende Gremium an einer katholischen Bischofkirche. Es besteht aus dazu erwählten Geistlichen. Ist die Bischofskirche Sitz eines Erzbischofs, also Metropoliten, so wird das Domkapitel auch als Metropolitankapitel bezeichnet.

 

[3] Nach der Notiz in der Urkunde von 1322, cod. dipl. Pruss. II. n. 99, p. 126 – Seiten 138 und 139 – Zeit der Ordensherrschaft.     Aus Historisch-comparative Geographie von Preussen: Nach den Quellen, namentlich auch archivalischen von Max Töppen. Veröffentlichungsdatum: 1858 – 398 Seiten. Nachzulesen auch im Internet bei Google-Books.

 

[4] Altpreußische Geschlechterkunde (APG) – Erschienen 1983 im Selbstverlag des Verein für Familienforschung in Ost- und Westpreußen e.V. in Hamburg (VfFOW). Sonderschrift Nr. 52, 88 Seiten. Mit einem Geleitwort von Walther Hubatsch.

 

[5] Ein Ratsherr ist ein (männliches) Mitglied der Gesellschaft einer Kommune, einer städtischen Gemeinde, der von seinen Mitbürgern in den Rat oder Stadtrat, das Parlament einer Kommune, gewählt wurde. Die Ratsherren entstammten häufig reichen Kaufmannsfamilien, die besonders in den alten Handelsstädten die Patrizier bzw. ratsfähigen Geschlechter ausmachten. Ratsherr = Consul [lateinisch] geschworener Bürger, Ratsfreund, Ratsgenosse, Ratskumpane, Ratsmann, Ratsmeister, Ratsverwandter, Senator.

 

[6] Die Einschreibung oder Immatrikulation an einer Hochschule ist ein Verwaltungsvorgang, bei dem eine Person als Student an der Hochschule aufgenommen und damit Mitglied dieser Hochschule wird. Die Immatrikulation erfolgt beim Studentensekretariat oder Immatrikulationsamt einer Hochschule, der Student wird dann in der Universitätsmatrikel geführt.

 

[7] Die Universität Leipzig (Alma mater lipsiensis) ist die zweitälteste Universität auf dem Gebiet des heutigen Deutschland nach der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg und wurde im Jahre 1409 gegründet. Nach Streitigkeiten an der Karls-Universität Prag zogen 1409 viele der dortigen deutschen Lehrkräfte und Studenten nach Leipzig (in der Markgrafschaft Meißen), wo die Artistenfakultät den Lehrbetrieb aufnahm. Die Universität bekam sowohl von der Stadt als auch von den Landesherren mehrere Gebäude übereignet. Noch im selben Jahr wurde das „Studium generale“ durch Papst Alexander V. bestätigt.

 

[8] Als Regest (lateinisch: res gestae = „die getanen Dinge“) bezeichnet man in der Geschichtswissenschaft die Zusammenfassung des rechtsrelevanten Inhalts einer mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Urkunde. Unter Regesten kann man auch eine besondere Publikationsform verstehen, die Urkunden eines Ausstellers, einer Provenienz oder eines Betreffs geordnet nach Datum nachweisen und mit inhaltlichen Zusammenfassungen, Nachweisen über die Überlieferung und quellenkritischen Hinweisen ergänzen.

 

[9] Der althochdeutsche Begriff Vogt, auch Voigt oder Fauth – lateinisch: advocatus, der Hinzu- Herbeigerufener, bezeichnet allgemein einen herrschaftlichen, meist adligen Beamten des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Ein Vogt ist Leiter von Verwaltung und Gericht eines größeren (Reichsguts-)Bezirkes.

 

[10] Die Ehrbarkeit ist eine bestimmte Gesellschaftsschicht. Aus den ursprünglichen Pfahlbürgern der mittelalterlichen Städte hatte sich im 15. Jahrhundert die Ehrbarkeit (auch Patrizier genannt) als städtische Oberschicht gebildet. Die Ehrbarkeit bestand aus den reichsten Geschlechtern, den Mitgliedern des Stadtrates.

 

[11] Preußisches Urkundenbuch, JH I 7266 – (1436) ohne Datum. o.O. – Regesten aus: (JH) Erich Joachim, Bearbeitet, Regesta Historico-Diplomatica Ordinis S. Mariae Theutonicorum, 1198-1525, herausgegeben von Walther Hubatsch, Pars I, Bände 1-3, Registerband zu I-II, Göttingen 1948-1973.

 

[12] Ein Schöffe (von althochdeutsch: sceffino, der Anordnende) waren in der Vergangenheit allgemein solche Personen, die juristische Festlegungen trafen, wie etwa der „Schöffenstuhl“ (= Rechtsinstanz) im alten Stadtrecht.

 

[13] Herausgegeben 1953 von Karel Castelin auf Tschechisch: Česká drobná mince doby předhusitské a husitské, (1300-1471) – Seite 73. Verlag Praha, Naklad Československé akademie věd. (291 Seiten).

Absolute Verteilung des Namen „Schadwinkel“

11. April 2008

 Absolute Verteilung des Namens 'Schadwinkel'

Statistik: Zahlen zum Familiennamen „Schadwinkel“

In Deutschland gibt es 201 Telefonbucheinträge zum Familiennamen Schadwinkel“. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung sind etwa 536 Namensträger zu erwarten. Damit liegt der Familienname in der Namenshäufigkeit an 18730. Stelle.

Diese leben in 91 Städten und Landkreisen. Die meisten Anschlüsse sind in Rendsburg-Eckernförde (SH) gemeldet, nämlich 12. Etwas länger suchen muss man dagegen im Hochsauerlandkreis (NRW), hier wohnen die wenigsten: gerade einmal 1.

Weitere Kreise/Städte mit besonders vielen Namensträgern sind Köln (16), Region Hannover (16), Oldenburg (14), Märkischer Kreis (14), Mönchengladbach (12), Gütersloh (10), Rhein-Neckar-Kreis (10), Bremen (10) sowie Mainz mit 10 Einträgen.

Günter Schadwinkel kommt in Deutschland am häufigsten vor. Manfred sowie Gerhard sind die nächsten oft gefundenen Vornamen, gefolgt von Heinz, Alfred, Günther, Wolfgang, Thomas, Horst sowie Edeltraut.

Absolute Namenshäufigkeit für SchadwinkelDie meisten Schadwinkels findet man im Landkreis Rendsburg-Eckernförde (SH), nämlich genau 12 Telefonanschlüsse. Etwas länger suchen muss man dagegen im Hochsauerlandkreis (NRW), hier wohnen die wenigsten: gerade einmal 1. (Beachten Sie, dass Metropolen diese Lokalisierung verfälschen können).

Relative Namenshäufigkeit fürSchadwinkel“ – Wenn man die Bevölkerungsdichte verrechnet, findet man die meisten Schadwinkels in der Kreisfreien Stadt Wismar (MV), nämlich 86 Anschlüsse pro Million Einwohner. Fast verschwunden ist die Familie aus der Kreisfreien Stadt Berlin, hier treten pro Million Einwohner die wenigsten auf. 

Die Verbreitung des Familiennamens „Schadwinkel“ in anderen Ländern: